Grenacher
 

(Publiziert in Aargauer Zeitung/Schweiz am Wochenende vom 16./17. November 2019) 

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Grenacher

Lieber Herr Franke

Gestern hatte ich einen wichtigen Termin in Mailand, der Text musste also schon am Donnerstag abgeliefert werden. 

Das traf sich gut. 

Ich fuhr, nach einem Termin in Basel heimwärts, Richtung Fricktal. Ich freue mich jedesmal, wenn ich auf der A3 die Möhliner Höhe passiere und sich der Hotzenwald pflatschig vor die Kühlerhaube flätzt. 

Am Donnerstag gab’s noch etwas Schlagrahm aufs Bild: Die Dampffahne von Leibstadt!

Ich weiss, es mag einige vielleicht ärgern, Greta ganz bestimmt. Aber ich, ich freue mich diebisch, wenn es aus dem Kühlturm so richtig dampft! 

Das nämlich, lieber Thomas Franke, ist ein untrügliches Zeichen, dass ihr Werk läuft, dessen Leitung sie vor kurzem übernommen haben. Dass es läuft wie geschmiert freut mich auch als gebürtigen Leibstädter. Wir hatten ja immer wieder etwas Ärger: Mal fälschte ein Mitarbeiter Prüfprotokolle, mal ging das Kraftwerk nach Störungen vom Netz. 

Das nervt, natürlich, Herr Franke und drum bin ich froh, sind Sie nun am Drücker und sorgen dafür, dass ein Sechstel des in der Schweiz erzeugten Pfuus fortwährend von der Fricktaler Grenze kommt. 

Das ist ja nicht wenig und drum stört es mich auch nicht, wenn ich schon von Weitem die tolle Wolke sehe, die sich die deutschen Nachbarn in Dogern vergolden lassen wollten als sie 1989 klagten, der Meiler sei schuld, dass ihr Dorf alljährlich bis zu 100 Stunden Licht und Wärme weniger abkriege. 

Die Forderung verdampfte. 

Und wenn, wie vorgestern Donnerstag, die Herbstsonne unser Fricktal glänzt, sich der gelbrote Rost ins Blätterwerk der Wälder legt und bei mir, auf der Fahrt zurück von Basel vor Laufenburg die ehemalige EGL und die Strommasten des Stern von Laufenburg vorbeiziehen und geradeaus der Dampf aus ihrem Kühlturm unablässig zum Allerhöchsten steigt, dann, Herr Franke, dann freu ich mich am Leben, an meinen Energie-Aktien und für Sie. Gutes Gelingen!

PS: Das Beste an diesem Donnerstag war, dass über dem Kaisterberg, Blickrichtung Südwest, eine zweite Dampffahne hochstieg. Auch Gösgen arbeitet!

 

Christoph Grenacher leitete verschiedene Medientitel. Heute ist er Inhaber der Kommunikationsagentur Mediaform. Er lebt im Kaister Ortsteil Ittenthal und in Zürich. grenacher@azkolumne.ch