GRENACHER
 

(Publiziert am 13. Juli 2024 in der alle zwei Wochen erscheinenden Print-Kolumne GRENACHER)

Lieber Dominik Schmid

Unser Sommermärchen platzte an einem doofen Schuss.

Die Engländer hatten wir letzten Samstag so was von im Griff, wie auch Samuel Burgener in einem hervorragenden Artikel in der NZZ schrieb: «Wir liessen in der regulären Spielzeit keine einzige richtige Torchance zu. Nur blöderweise das Tor zum 1:1. Dann Penaltyschiessen – und out.»

Ich gehe mal davon aus, lieber Dome, Du hast das Spiel auch verfolgt, zum Abschluss des
Trainingslagers in Seefeld.

Als gelernter Aussenverteidiger beim FC Basel wurdest Du in den Testspielen am Freitag und am Samstag zweimal für eine knappe halbe Spieldauer im defensiven Mittelfeld eingesetzt – mit hoffnungsvollen Ergebnissen: Gegen Eintracht Braun-schweig gab’s ein 1:1, gegen Gornik Zabre mit dem unverwüstlichen Poldi Lucas Podolski gar ein 2:1.

Es ist also alles angerichtet für einen hoffnungsfrohen Start in die Saison, zumal mir diese Woche noch eine weitere tolle Nach-richt ins Mail-Postfach flatterte: Du bleibst, trotz hartnäckigen Gerüchten über einen bevorstehenden Wechsel zum griechischen Spitzenklub AEK Athen, mindestens bis 2027 am Rheinknie, rotblau, im Joggeli!

Danke Dome!

So freu ich mich zusammen mit Dir auf den Saisonstart in acht Tagen, auswärts, gegen Lausanne-Sport, jenen Klub, an den Dich der FCB seinerzeit ausgeliehen hat, weil der damalige Trainer lieber auf Routiniers setzte.

Nach Stationen in der Challenge League bei Wil und beim Zürcher Grasshopper Club kamst Du im letzten Sommer wieder zurück zu Deinem Stammverein, der Dir seit Kindsbeinen vertraut ist: Als fünfjähriger Knirps mit dem Papi schon an jedem FCB-Match, vergällten sie Dir wenig später beim FC Rheinfelden die Lust am Kicken, sodass Du lieber Leichtathlet werden wolltest.

Zum Glück wurde 2006 in Kaiseraugst ein eigener Fussballklub gegründet; schon als Achtjähriger fiel dort Dein Talent auf, als Zehnjähriger, nach einer Probewoche, erfolgte dann der Wechsel in die U10-Mannschaft in Basel.

Was folgte war eine Karriere bis zu den Profis in Rotblau, wobei Du, ganz de Bappe, immer auch total auf dem Boden bliebst: Als Banker weiss der Vater, wie rasch der Zaster zerrinnt und drum war es auch keine schlechte Idee, dass Du mit 15 Jahren eine Malerlehre begonnen und abgeschlossen hast,; die Lehrstelle nur fünf Minuten vom Wohnhaus am Rhein ent-fernt, noch dazu mit einem äusserst verständnisvollen Vorgesetzten, der Morgen- wie Abendtrainings auf der Brüglinger Ebene möglich machte.

Und nun also, lieber Dome, freu ich mich auf einen versöhnlichen Sommer – und ein Märchen, das zu Ende erzählt werden muss: Wie Du die Aussenlinie rauf und runter spurtest, Dir kein Zweikampf zu schade, kein Laufduell zuviel, kein Tackling zu schmerzhaft ist, so freu ich mich, Dome, dass das geplatzte Sommermärchen mit der Nati mit Deiner Geschichte doch noch ein Happy End findet.

Im Joggeli, beim FCB, mit einem Start nach Mass, der die Meister-Aspiration unterstreicht – auch dank Deinem Können, Deiner Beharrlichkeit, Deiner Leidenschaft und Deindem unbändigen Drang nach vorne. Und mit weiteren Aufgeboten in die Nationalmannschaft, wo Du ebenfalls hingehörst.  Vergiss dabei bloss eines nicht, Dome: Fleissig das Penaltyschiessen üben!

Märchen sind gemacht, um wahr zu werden. Du wirst uns dabei helfen – beim FCB und bei der Schweizer Fussball-Nati!

Christoph Grenacher leitete verschiedene Medientitel. Heute ist er Inhaber der Kommunikationsagentur Mediaform. Er lebt im Kaister Ortsteil Ittenthal, in Zürich und im Engadin. grenacher@azkolumne.ch


PS: Hören Sie unter der Rubrik "Podcast" auf dieser Webseite auch den kurzweiligen vierzehntäglichen Talk mit Gästen aus Fricktal und dem Hotzenwald.