GRENACHER
 

(Publiziert in der Aargauer Zeitung/Schweiz am Wochenende vom 26./27. November 2022)

2022_11_26_Lieber_Herr_Fischer.pdf

Lieber Herr Fischer

Manchmal muss ich Schmunzeln, wenn ich Ihnen, Andreas Fischer aus Möhlin, und Ihren Kollegen der Grünen Partei im Grossen Rat zuhöre.

Sie sind ja vif zur Stelle, wenn es darum geht, unser Steuergeld umzuverteilen. Und darum immer dagegen, die Steuern zu senken.

Ihr Fraktionspräsident, lange Jahre am Forschungsinstitut für biologischen Landbau FIBL in Frick ein Profiteur öffentlicher Zuwendungen, beantragte letzten Dienstag ungeniert mehr Mittel im Klimabereich, mehr Stellen beim Kanton und, natürlich!, vollen Teuerungsausgleich. Die anvisierten Steuersenkungen, die sich der Kanton durch mehr Einnahmen durch den angepassten und erhöhten Eigenmietwert leisten will, lehnt Ihre Partei aber auf Vorrat kategorisch ab.

Sie, lieber Andreas Fischer, tröten ins gleiche Horn, malen als Grüner schwarz und zeichnen den Pleitegeier an den Himmel: Die Ausgleichsreserve des Kantons, aktuell mit 772 Millionen Franken dotiert, sei in ein paar Jahren aufgebraucht und die effektiven Ausfälle der letzten Steuersenkung noch nicht absehbar, lese ich in der Zeitung – kurzum: Es sei «derzeit einfach nicht die Zeit für Steuergeschenke.».

Da irren Sie leider, lieber Andreas Fischer, wie all ihre Gspänli im linken Parteienspektrum: Es geht keineswegs um Geschenke, sondern um faire Bedingungen für alle. Wenn die Eigenmietwerte schon steigen, ist eine Senkung der Vermögenssteuern als Kompensation das Mindeste.

Unser Kanton hat im schweizweiten Vergleich an Attraktivität verloren. Mit dem Sisslerfeld haben wir allerdings einen Trumpf in der Hand. Er bringt Arbeitsplätze, Zuzüger, Steuersubstrat – wenn der Fiskus nicht, wie von Ihnen mantramässig postuliert, unerbittlich noch mehr schröpft.

Es muss sich, lieber Andreas Fischer, künftig für alle von uns lohnen, im Aargau zu wirtschaften und zu wohnen. Nur so sichern wir aller Einkommen, können wir die Arbeitswege ausbauen, Bildungs-, Freizeit- und Lebensräume schaffen und dafür – notabene – zeitgemässe, moderate Steuern bezahlen.

Und vielleicht hat es dann sogar noch ein paar Batzen übrig, um das Klima zu retten.Christoph Grenacher leitete verschiedene Medientitel. Heute ist er Inhaber der Kommunikationsagentur Mediaform. Er lebt im Kaister Ortsteil Ittenthal und im Engadin. grenacher@azkolumne.ch