Grenacher
 

 (NICHT publiziert in der Aargauer Zeitung/Schweiz am Wochenende vom 30./31. Mai  2020 – wg. Coronavirus)

2020_05_31_Lieber_Roger_Glover.pdf

Lieber Roger Glover

Das muss ja, an diesem 3. Juni 1970, vor 50 Jahren also, ein besonderer Tag gewesen sein. Nach langer Vorarbeit endlich eine schwarze Scheibe Vinyl in den Händen, drumherum ein Umschlag der an das National Memorial am Mount Rushmore in South Dakota erinnerte. Dort, in Stein für die Ewigkeit gehauen, die vier bedeutendsten US-Präsidenten Washington, Jefferson, Roosevelt und Lincoln. Hier, auf 31,5x31,5 Zentimeter Karton für die Ewigkeit gedruckt und gepresst, Deine Kollegen Ian Gillan, Ritchie Blackmore, Jon Lord und – ganz rechts, gleich neben Dir, dem damals knapp 25jährigen Walisen, Ian Paice.

 «In Rock» hiess diese Schallplatte, ein Meilenstein, nach dem in der Rockmusik nichts mehr so war wie zuvor. Das Album hat den Hardrock erfunden und Du, Roger, warst dabei nicht unbeteiligt, ganz im Gegenteil: Es war Dein erstes Album mit «Deep Purple» und Du hast an allen sieben epochalen Songs mitgeschrieben wie auch bei der zur Promotion nachgereichten Single «Black Night» –genauso wie Neuzugang und Sänger Ian Gillan, der mit dieser Platte den Kreisch-Falsett im Heavy Metal zum Standard machte.


Hart, laut, krachig war damals die Währung und Du der zuständige Münzpräger und Notendrucker, ein Genie am Bass. Und, ganz wichtig: Ihr alle die Erfinder einiger der besten, geilsten und ewigen Riffs der Musikgeschichte, ebenbürtig einem Beethoven, Mozart oder Gershwin. Es waren und sind diese kurzen, melodisch oder rhythmisch getakteten Motive, Eure Tätowierungen auf der Haut der Musikgeschichte, die unvergesslich bleiben. 
 

Ein Riff, lieber Roger, wurde einst knappe 200 Kilometer von Deinem jetzigen Wohnort im Fricktal entfernt am Genfersee erfunden, in Montreux, wo ihr im mobilen Studio der Rolling Stones den Nachfolger von «In Rock» aufnehmen wolltet. 

Doch an diesem 4. Dezember 1971, bei einem Konzert von Frank Zappa & The Mothers of Invention, stieg Rauch über den See, nachdem ein ausgeflippter Fan mit einer Signalpistole in die Decke schoss und das ganze ehrwürdige Casino in Schutt und Asche versank. «Funky Claude was runnig in and out», heisst es in Eurem Song;  Funky Claude Nobs, der mir später einmal hoch über dem See in seinem Chalet in Caux bei einem guten Glas erzählte, wie unvergesslich der Moment für ihn bleiben werde von diesem 15. Juli 2006, als ihr, wieder vereint auf der Bühne im Hard Rock Café in Montreux  als Zugabe am Schluss diesen Riff starteten: «Smoke on The Water» gilt noch heute mit über zwölf Millionen verkauften Exemplaren als eines der meistverkauften und bekanntesten Werke der Rockmusik. 

Ich weiss, ich weiss, Roger, das alles, soviel Historie und Erinnerung an Meilensteine ist Dir immer etwas unangenehm, Du stehst lieber im Hintergrund, auch später, als Du mit Rory Gallagher und Spencer Davis oder Nazareth oder Status Quo weitere Meilensteine als Produzent gesetzt hast. 

Aber so gilt auch heute, 50 Jahre nach dem Release von «In Rock» noch immer: 

Thank you for all, Roger. Good to have you. 

Christoph Grenacher leitete verschiedene Medientitel. Heute ist er Inhaber der Kommunikationsagentur Mediaform. Er lebt im Kaister Ortsteil Ittenthal und in Zürich. grenacher@azkolumne.ch