GRENACHER
 

(Publiziert in der Aargauer Zeitung/Schweiz am Wochenende vom 9./10. Januar 2021)


2021_01_09_Liebe_Frau_Caracuta.pdf

Liebe Frau Caracuta

Sie sind die neue Rheinfelder City-Managerin. Gratuliere!

Ihre Vorgängerin hat nach einem Jahr die Segel gestrichen. Wieso, wurde nie ganz klar. Kein Erfolg? Keine Initiative? Oder schlicht nichts zu tun?

Man weiss es nicht. Aber wenn die Verwaltung mal einen Job geschaffen hat, dann wird er, egal ob nötig oder überflüssig, fortwährend besetzt. Hauptsache, es hockt jemand auf einem steuerfinanzierten Stuhl.

So starten Sie also in 23 Tagen ihren neuen Job. In einem 70%-Pensum müssen Sie sich ab Februar der Entwicklung der Rheinfelder Innenstadt widmen – wenn die Läden bis dann überhaupt wieder aufsperren dürfen. Aber auch das «Leerflächenmanagement» gehört zu ihren Aufgaben; es gäbe also durchaus zu tun.

Und vielleicht, liebe Frau Caracuta, finden Sie sogar noch etwas Zeit, mit mir zu rechnen.

Es gibt da nämlich eine Zahl, die gibt mir zu denken.

Ihre 70-Prozent-Stelle rechnet sich folgendermassen: 65% fürs City-Management, 5% für die Wirtschaftsförderung. Bei ihrer Vorgängerin kamen noch 10% für die Geschäftsführung von «Rheinfelden medical» dazu, einer Marketing-Kooperation des Gesundheitszentrum Fricktal AG, Reha Rheinfelden, Schützen Rheinfelden AG und Salina Rehaklinik.

Offenbar brachten die 10 Prozent «Rheinfelden Medical» leidlich wenig. Die Zusammenarbeit wurde beendet, die Zahlung von 40 000 Franken jährlich eingestellt.

40 000 Franken für einen 10-Prozent-Job? Auch wenn ich jedem und jeder einen guten Zapfen gönne, ist das etwas viel.

Selbst wenn wir so rechnen: Wenn 10% von 80% 40 000 Franken wert sind, dann wäre dieser Job, bei paritätischer Kostenbeteiligung aller Involvierten, 320 000 Franken wert. Wenn wir diese Summe nun auf ihre abgespeckten 70% umlegen, kämen wir immer noch auf 280 000 Franken.

Das ist, selbst wenn darin noch etwas Sozialabgaben, Kosten für Räumlichkeiten, Büromöbel und den Neudruck von Visitenkarten enthalten sind, ein rechter Schübel.

Oder rechne ich falsch?


Christoph Grenacher leitete verschiedene Medientitel. Heute ist er Inhaber der Kommunikationsagentur Mediaform. Er lebt im Kaister Ortsteil Ittenthal und in Zürich. grenacher@azkolumne.ch