GRENACHER
 

(Publiziert im wöchentlichen Newsletter GRENACHER vom Samstag, 18. März 2023)


Liebe Nina, lieber Sebastian Weiland

Gratuliere, Hollywood ist nun auch bei Euch, im Schwarzwald!

Ihr habt ja beide in der US-Filmmetropole studiert, Nina Drehbuch und Regie, Sebastian Kamera und Filmtechnik. Zurück in Deutschland habt ihr Werbefilme produziert; Eure Spots für Automobile, entstanden rund um den Globus und waren Weltklasse.

Daneben hattet ihr noch Zeit für Eure sieben Kinder – und zum Nachdenken: Das ständige Rumreisen ist nicht eben familienförderlich, Arbeiten in der Heimat verträglicher – und vor allem: Im Hotspot zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz, ist es wunderbar, die Gegend regt die Kreativität an und als das ehemalige Kurhaus in Kirchzarten eine neue Nutzung suchte, war für Euch beide klar: Das ist es!

Es war die Geburtsstunde der Black Forest Studios, ein wunderbarer, magischer Ort, der alles bietet, was erfolgreiche Produktionen von Spielfilmen brauchen: Technik, Raum, Equipment, Gastfreundschaft. Ein Ort, gemacht für Höchstleistungen – und zum erholsamen Abhängen.

Schnitt. Sonntagnacht vor einer Woche werden im Dolby Theatre in Los Angeles zum 95. Mal die wichtigsten Preise der Filmindustrie vergeben: «And the Oscar goes to ‘Nawalny’», den Dokumentarfilm über den russischen Oppositionellen Alexei Nawalny, auf den im August 2020 ein lebensgefährlicher Giftanschlag verübt wurde.

Der mittlerweile wieder inhaftierte 46jährige Gegenspieler von Kremlchef Putin wurde nach der Vergiftung nach Berlin zur Behandlung geflogen. Später erholte er sich in einer der sechs Kuckucks-Hideaway-Residenzen in Ibach, einem Ort zwischen St. Blasien und Todtmoos, 25 Kilometer von der Grenze entfernt, wo einst auch die Schweizerin Uriella wirkte, das Oberhaupt der Bewegung Fiat Lux.

Nawalny war aber nicht bloss zur dringend nötigen Erholung vom Anschlag mit dem chemischen Kampfstoff Nowitschok in den Hotzenwald gereist. Er traf dort auch den kanadischen Regisseur Daniel Roher, der in der Nacht auf Montag den Oscar als bester Dokumentarfilm gewonnen hat. Der Filmemacher hatte Nawalny in Ibach besucht,gdreht wurde zu Jahresbeginn 2021 auch in den Black Forest Studios.

Seinen letzten Abend in Freiheit, den 16. Januar 2021, genoss Alexei Nawalny bei Euch im wunderbaren einstigen Kurhaus von Kirchzarten. Tags darauf, bei seiner Rückkehr nach Russland, wurde er noch am Flughafen in Moskau festgenommen und vor einem Jahr erneut zu neun Jahren Gefängnis verurteilt.

«Nawalny» der preisgekrönte Film ist damit das belegte, beklemmende Zeugnis eines unerschrockenen Gerechten, der in Eurem wunderbaren Studio die künstlerische und geistige Freiheit geniessen und erklären durfte.

Danke, Nina und Sebastian, für diesen grossartigen Ort. Der «Oscar» lebt neben Hollywood nun auch im Schwarzwald!

 

Christoph Grenacher leitete verschiedene Medientitel. Heute ist er Inhaber der Kommunikationsagentur Mediaform. Er lebt im Kaister Ortsteil Ittenthal und im Engadin. grenacher@azkolumne.ch