Grenacher
 

(Publiziert in Aargauer Zeitung/Schweiz am Wochenende vom 15. /16. Februar 2020 

2020_02_15_Kolumne_AZ.pdf

Liebe Frau Pensa 

Seit ein paar Wochen haben Sie einen neuen Job in Rheinfelden: City-Managerin. «Alle sind froh, dass es nun eine City-Managerin gibt. Ich wurde überallhin eingeladen. Alle wollen sich einbringen» sagten Sie neulich. 

Ich stell mir Ihre aktuelle Tätigkeit ziemlich anstrengend vor: Alle wollen was von Ihnen – und funktioniert es nicht, sind Sie schuld. Ganz allein. 

Dabei ist die Sache doch etwas komplizierter: Die Stadt fand, sie müsse etwas tun, damit das Städtli nicht zu einem Museum verkomme, wo nur noch Touristen rumtschalpen und kein Einheimischer mehr einkauft. 

Ein paar Kilometer rheinaufwärts gibt’s in Laufenburg schon die Endlösung zu besichtigen: Mit der Sprengung des Hotel Solbad vor knapp 50 Jahren begann der Untergang. Die Laufenburger Marktgasse macht heutzutage einen derart deprimierenden Eindruck, dass, wie einst in der DDR, nur noch Rübermachen hilft. Kein Wunder, postet man ennet dem Rhein auch gleich das Futter für den täglichen Bedarf.

Da haben Sie es in Rheinfelden besser: Die Altstadt ist trotz ein paar freien Ladenflächen noch ein veritables Kleinod und Sie kurbeln jetzt turbomässig die Sache hoch, reden von «Frequenzsteigerung», von «aktivem Flächenmanagement», von «Kooperation und Kommunikation», von «Handlungsfeldern», von «Trendradar». 

Ich find das grundsätzlich lobenswert. Und noch besser gefällt mir, dass ihr Lohn nur zur Hälfte vom Steuerzahler berappt werden muss. Den Rest zahlen die Rheinfelder Gesundheitsbetriebe, der Verein Pro Altstadt und der Gewerbeverein; gut investierte Mitgliederbeiträge, finde ich. 

Bloss, und da will ich Ihren Job gar nicht erst abwerten: Damit die Stadt floriert, die Kassen klingeln und zufriedene Kunden allerlei Nötiges und Unnötiges kaufen, braucht es originäre, qualitätsvolle, überzeugende Angebote – von Händlern, die zupacken können, innovativ und kreativ sind und nicht schon beim ersten Problemli die Segel streichen und sich bei Ihnen ausheulen. 

Ich wünsch Ihnen drum, Frau Pensa, trotz «Trendradar» und so vor allem Lädelibetreiber, die den Puls der Zeit spüren. Und Konsumenten, die das zu schätzen wissen. Sonst ist das ganze manätschen für die Katz. 

Christoph Grenacher leitete verschiedene Medientitel. Heute ist er Inhaber der Kommunikationsagentur Mediaform. Er lebt im Kaister Ortsteil Ittenthal und in Zürich. grenacher@azkolumne.ch